9 Monate- Oh man wie die Zeit vergeht!

Liebe Leser,

verspätet aber doch nicht vergessen  möchte ich euch einen kurzen Überblick über alle Veränderungen und Entwicklungen meines Alltags geben und euch in diesem Beitrag berichten, wie ich mich nach 9 Monaten ‘hier sein’ fühle.

In meinem letzten Eintrag habe ich euch von meinen zunehmenden Problemen im Kindergarten erzählt, mittlerweile bin ich schon seit gut eineinhalb Monaten nicht mehr dort sondern arbeite jetzt mit den Frauen der Initiative Tanzania Handcraft Association (TanCraft), welche traditionelle Produkte herstellen und diese dann auf Märkten und Ausstellungen verkaufen. TanCraft ist eine Non-Profit Organisation und da es keine laufenden Einnahmen gibt, sind die Mitglieder von jedem einzelnen Verkauf ihrer Produkte abhängig und haben kein Festeinkommen. Es gibt jedoch eine art Minikredit System, das die Frauen selber führen und wodurch sie sich gegenseitig unterstützen.

Meine Aufgaben bei TanCraft sind noch wenig festgelegt, weil die Initiative bisher noch nie solange einen Freiwilligen hatte wie mich jetzt, ich fühle mich aber sehr wohl und freue mich, da ich auf keinen Fall zu wenig Arbeit habe und  viel mitbestimmen kann, wie ich mir meine Zeit einteile um meine Aufgaben zu erledigen.

 

Meine ersten Aufgaben waren die website zu upgraden, an allen meetings teilzunehmen und organisatorische Aufgaben zu übernehmen,  ich bin  Hauptverantwortliche für eine wichtige Kundin und stehe im dauernden Kontakt mit ihr, ich nehme am Produktionsprozess  teil und darf in Zukunft wohl auch noch English, Computer und ein bisschen Sport (zur Teamgeistförderung) unterrichten.

Meine neue Chefin kenne ich schon seit Beginn meiner Zeit in Dar, weil sie meine Vermieterin ist. Ich kann mir keine tollere Vorgesetzte wünschen, wir kommen super gut miteinander aus und ich bin unendlich erleichtert darüber.

 

Außerhalb der Arbeit ging es in letzter Zeit drunter und drüber. Zuerst hatte ich lange Zeit am Stück Besuch aus Deutschland und musste mich erstmal wieder an meinen Alltag hier gewöhnen, dann wurde der Abbruchs-Wunsch meines Mitbewohners immer stärker, bis er zuletzt (letzte Woche) tatsächlich zurück nach Deutschland flog.

Jetzt habe ich damit zu kämpfen, dass sich die Wohnung ohne Cornelius sehr komisch anfühlt und ich mir oft einrede allein zu sein, was einfach nicht stimmt, weil ich tolle Freunde habe… aber ich werde mich schon noch daran gewöhnen, dass ich viel Platz für mich allein habe und ich lade einfach viel Leute ein!

 

Die Zeit vergeht unendlich schnell und ich sehe der Rückkehr nach Deutschland, in mein ursprüngliches Zuhause zweigeteilt entgegen. Ich merke, dass ich mir zunehmend Gedanken darüber mache, was ich Zuhause machen werde, was für einen Weg ich einschlagen will, wo mein Platz sein wird und es erfüllt mich oft mit Unruhe, dass ich es nicht weiß. Trotzdem weiß ich eigentlich auch, dass es inordnung ist, wenn ich mir ein bisschen Zeit lasse und mich meiner weiteren Zukunft erst in Deutschland wieder genau widme. Bestimmte Dinge muss ich mir  vorort anschauen und kann sie nicht aus tausend Kilometer Entfernung einschätzen.

Ich genieße die Zeit hier, weit weg von Zuhause, frei von allen Prinzipien und Normen unserer Welt aber ich freue mich auch auf mein Leben danach. Ich bin mir aber sicher, dass ich wieder nach Tansania zurückkehren werde, wenn ich erstmal meinen Platz in Deutschland gefunden habe.

Das Land behält sicherlich ein Stück meines Herzens bei sich!

 

 

 

 

7 Monate- Ich habe ein zweites Zuhause!

Ubungo- mein zweites Zuhause

Ubungo- mein zweites Zuhause

Liebe Leser!

Sieben Monate bin ich nun schon hier in Dar Es Salaam und ich habe mich schon so sehr an vieles gewöhnt, dass mir erst der Besuch meiner Mama in den letzten Wochen, gezeigt hat wie sehr sich meine Sicht der Dinge in dieser Zeit entwickelt und auch verändert hat.

Den Übergang zwischen Sprachanfänger und schon Fortgeschrittenem habe ich selbst kaum mitbekommen aber freue mich jetzt, wo ich von meiner Familie Rückmeldung bekommen habe und Erstaunen in den Gesichtern meines Gegenübers lesen kann, umso mehr. Tatsächlich ist es so, dass ich im alltäglichen kaum noch sprachliche Barrieren zu bewältigen habe. Natürlich kann ich noch nicht alles gut genug ausdrücken, vorallem wenn es um Gefühlszustände oder abstraktere Gedanken geht aber ich mache die Erfahrung, dass man, wenn man mit einfachem Wortschatz anfängt zu kommunizieren, oft Hilfe von den Tansaniern bekommt, die dich auch so verstehen und dir im besten Fall neue Wörter beibringen indem sie nachfragen ob das gemeint ist was sie verstanden haben.

Im Alltag außerhalb der Arbeit, habe ich neben dem Tanzen jetzt auch angefangen an Theaterproben für einen Film teilzunehnmen. Es soll ein Buch verfilmt werden, welches von einem Tansanier, der in Schweden wohnt geschrieben wurde. Meine Rolle ist die einer Schwedin dessen Mann Tansanier ist und die zusammen mit den gemeinsamen KIndern und ihm nach Dar Es Salaam zieht. Das Buch ist natürlich auf Kiswahili geschrieben worden und auch meine Rolle spricht Kiswahili. Da Das Buch in gehobener Sprache verfasst wurde, ist auch das Skript nicht ganz einfach zu verstehen, was für mich viel Übersetzungsarbeit bedeutet aber meinen Wortschatz auch mit sehr nützlichen Wörtern erweitert, mit deren Hilfe ich mich etwas später sicherlich besser auszudrücken weiß.

Die Arbeit im KCC lief bis vor etwa einem Monat verhältnismäßig noch ganz gut. Ich hatte Anfang Januar meine eigene Klasse bekommen und mir durch das Zahnputzprojekt, was ich in Absprache mit meiner Chefin etabliert habe, einen weiterern Zuständigkeitsbereich geschaffen. Ich hatte kurzzeitig das Gefühl dies hätte positive Auswirkungen auf unsere eher schwierige Beziehung gehabt und zum ertsten Mal seit ich im KCC arbeite, hatte ich das Gefühl, etwas eigenes etabliert zu haben und voll dafür verantwortlich sein zu können und zu dürfen.

Leider kam es vor etwa vier Wochen aber zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen meinen Chefs und mir, die auf einem sehr blöden Missverständnis beruhte, aber leider Worte und Taten zufolge hatte, die bis heute im Raum stehen und nicht wieder rückgängig machbar sind, was unser ohnehin schon vorbelastetes Verhältnis (das meiner Chefin und mir) leider zu einem Punkt getrieben hat an dem ich nicht weiter weiß.

Mir stellt sich seit dem die Frage wie ich damit umzugehen habe, welche Verantwortung ich den Kindern, meiner Organisation und mir selbst gegenüber habe und ob die Grenze erreicht ist, vom persönlichen  zurück stecken oder ich eigentlich in der Pflicht wäre, meiner Chefin und mir nochmal eine Chance zu geben. Ich denke persönliche Differenzen lassen und müssen sich in der Arbeitswelt bist zu einem bestimmten Punkt überbrücken und aushalten lassen aber nicht darüber hinaus, weil sie dann den eigentlichen Hintergrund einer Zusammenarbeit verfälschen und ihn in Vergessenheit geraten lassen…was dann noch bleibt ist eine Kräftezerrerei auf beider Kosten.

Heute habe ich ein Gespräch mit dem Leiter des Kindergartens und hoffe es wird Klärung für uns alle zur Folge haben.

Ich werde berichten sobald sich eine Lösung gefunden hat oder eine Entscheidung getroffen wurde.

Bis dahin macht´s gut! – Baadaye

Der Sprung! – 5 Monate Dar

IMG_1410Liebe Leser, die letzten zwei Monate waren voller Erlebnisse und neuer Erfahrungen und weil ich nicht die Ruhe gefunden habe, früher davon zu berichten, versuche ich im folgenden einen möglichst vielfältigen und authentischen Bericht zu liefern.

Meinen letzten Bericht schrieb ich vor gut zwei Monaten. Seither hat sich viel in mir verändert. Heimweh habe ich wirklich nur noch sehr wenig und wenn, dann ist es vor allem die Sehnsucht nach bestimmten Menschen, die mich beschäftigt. Dar Es Salaam ist mein Zuhause geworden, was ich nicht zuletzt daran gemerkt habe, wie sehr ich mich gefreut habe, nach meiner ersten langen Reise durchs Land, wieder in Ubungo anzukommen.

Die Sprache macht mir momentan auch keine Sorgen mehr. Ich bekomme oft gutes Feedback von Tansaniern und kann mich nahezu unbegrenzt ausdrücken und mit den Menschen kommunizieren und es macht mir unheimlich Spaß! Ich glaube auch das Reisen hat nochmal einen großen Teil dazu beigetragen.

Anfang Dezember kam als erster Besuch mein Papa und blieb für knapp zwei Wochen. Die Sorgen die ich mir im vor hinein gemacht hatte, stellten sich als völlig unbegründet heraus. Ich genoss es sehr ihm alles zeigen zu können und fand den Rollentausch der automatisch da war sehr interessant, denn plötzlich war ich diejenige die sich auskannte und mit den Menschen für uns beide zu kommunizieren hatte.

Die erste Woche verbrachten wir in Dar Es Salaam und die darauf folgende reisten wir Rika und Cornelius nach, die schon eine Woche früher nach Moshi, an den Fuße Afrikas größten Bergs, des Kilimanjaro, reisten.

In Moshi blieben wir ein paar Tage, besuchten eine große Kaffeeplantage und fuhren einen Tag in den Arusha Nationalpark.

Anschließend reiste ich zusammen mit Cornelius und Papa weiter nach Arusha, einer im Vergleich zu Dar, sehr sehr grünen und kühlen Stadt. Am Abend der Ankunft noch, reiste mein Papa wieder ab und Cornelius und ich mussten uns glaube ich erst mal daran gewöhnen wieder zu zweit unterwegs zu sein.

In Arusha blieben wir über eine Woche, was zum einen an den Leuten lag die wir dort trafen aber auch ein bisschen durch den Zufall bedingt war.

Ein paar Tage nach unserer Ankunft erfuhr ich, dass meine Tanzgruppe aus Dar, nach Arusha gekommen war und ich den Auftritt mittanzen sollte, was am Ende leider nicht ging weil ich meine Kostüme nicht mitgenommen hatte, aber die Show und die Tatsache, dass meine Freunde nach Arusha gekommen waren, machten mich sehr glücklich.

Cornelius und mein Plan, an die kenianische Grenze zum Lake Natron, einem Salzsee, zu fahren, fiel durch lange Regenfälle und eine unbefestigte Straße, wortwörtlich ins Wasser und so blieben wir noch etwas länger als geplant in Arusha, was auf der Reise wohl zu unserem vorüber gehenden „Zuhause“ wurde.

Arusha ist eine Tourismusstadt, was vor allem an der Vielzahl der Safari- und Kilimanjaro Trekkingtouren Anbieter liegt. Zu Anfang entschieden wir uns gegen eine Tour in eine der relativ nahegelegenen Naturattraktionen (Ngorongoro Krater, Serengeti), umso länger wir jedoch in Arusha waren, desto mehr war uns danach, doch noch was großes zu unternehmen und so machten wir zum Abschluss dieser Reiseetappe eine Tagestour zum Ngorongoro Krater, einem ehemaligen Vulkankrater in dem eine Vielfalt an Tieren lebt.

Furchtbar teuer war das ganze, aber auch sehr beeindruckend!

Am frühen Abend, nach unserer Tour durch den Krater, lies uns unser Guide an einer Busstation im gefühlten Nirgendwo raus, da wir beschlossen hatten noch am selben Tag unsere Reise fort zu setzen, in Richtung Tansanias Hauptstadt, Dodoma.

Da die Reisebusse in die kleine „Stadt“ Babati, wo wir übernachten wollten, überfüllt waren, traten wir eine abenteuerliche Reise mit dem Daladala (Kleinbus) an und da die Straße gerade umgebaut wurde und es zuvor Regenfälle gegeben hatte, war die Fahrt wirklich einzigartig :)!

Mein Lieblingsteil der Reise, würde ich fast sagen.

In Babati trafen wir wahnsinnig nette Menschen und obwohl wir nur ganz kurz dort waren, behalte ich den sehr kleinen Ort mit seinen morgens orange-rosa beleuchteten Bergketten drum herum, in sehr schöner Erinnerung.

Nach Dodoma brauchten wir eine ziemlich lange Zeit, was mich nur gegen Ende der Busfahrt anfing zu stören und uns ansonsten wieder einen netten Menschen treffen lies.

In Dodoma angekommen machte uns die Hitze ein bisschen zu schaffen, wir waren aber sehr überrascht von Tansanias Hauptstadt, da sie von vielen Reisenden als eher nicht lohnenswert beschrieben wurde, wir sie aber als sehr hübsche und saubere Stadt empfanden.

Im Vergleich zu Dar Es Salaam (Tansanias ehemaliger Hauptstadt) ist Dodoma aber eine Kleinstadt.

Wir blieben zwei Tage und reisten weiter nach Morogoro, wo wir nur für eine Nacht blieben und beide auch ganz froh darüber waren, am nächsten Tag die Rückreise in unser Zuhause (Dar) antreten zu können. Am Abend trafen wir uns noch mit zwei Tansanierinnen und ihrem Freund, die wir in Arusha durch Zufall kennen gelernt hatten und die uns mit offenen Armen empfingen. Ein schöner Abend und Abschluss der Reise, für mich.

Zurück in Dar feierten wir am 22. Dezember Rikas Geburtstag und ihr Vater war die nächste Woche auch zu Besuch. Weihnachten gaben wir uns zwar alle große Mühe aber es war am Ende doch ein sehr angespannter Abend weil es natürlich für uns alle eine komische und neue Situation war, dafür verbrachten wir Sylvester an einem großartigen Strand in Sansibar (wohin wir am 26. Dezember reisten) und starteten so, friedlich ins neue Jahr.

In Sansibar fand auch unser Zwischenseminar mit anderen Freiwilligen statt. In einer Unterkunft direkt am Meer und nur ein paar Schritte vom Strand entfernt, arbeiteten wir unsere erste Zeit in Tansania auf. Es gab viel Zeit sich mit anderen auszutauschen, Probleme los zu werden, auf neue Ideen zu kommen, sich über den Sinn des eigenen Dienstes hier Gedanken zu machen und Volleyball zu spielen 🙂

Am 7. Januar kehrten wir endgültig wieder nach Dar zurück und die Zeit auf der Fähre, nutzte ich dazu, alle Erlebnisse des vergangenen Monats sacken zu lassen und mich fertig zu machen für die Arbeitsphase die nun wieder beginnen würde.

Die Fahrt vom Fähren Terminal in Dar zu unserer Wohnung in Ubungo konnte ich so richtig ankommen und fühle mich gleich wieder sehr wohl.

Am 13. Januar sollte meine Arbeit wieder beginnen, die letzten Tage waren aber kurzfristig Feiertage und deshalb werde ich erst ab morgen, nach über einem Monat Ferien, wieder in den Arbeitsalltag zurückkehren.

Ich bin aber ganz guter Dinge, dass ich vom Seminar in Sansibar viel Gelassenheit und Elan mitnehmen konnte um mich Problemen zu stellen und Aktionen anzupacken.

Jetzt gehe ich ertsmal tanzen :)!

Ich lasse wieder von mir hören, bin aber auch jederzeit offen für Fragen!

Bis dahin, fröhliche Grüße, eure Leonie

Weltwärtsbericht I

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Erfahrungsbericht für weltwärts -Nummer 1- Drei Monate in Dar Es Salaam

 

Mein Name ist Leonie ich bin 20 Jahre alt und im Rahmen des weltwärts Programms in Zusammenarbeit mit der Entsendeorganisation Kawaida e.V., lebe ich nun seit drei Monaten in der ostafrikanischen Großstadt Dar Es Salaam.

Meine Arbeitsstelle ist ein Kindergarten im Stadtteil Kinondoni.

Montags bis bFreitags arbeite ich regulär von 7.30-12.30 und selten Nachmittags, je nachdem ob noch Kinder da bleiben oder nicht. Jedoch planen wir ab Anfang nächsten Jahres auch eine Nachmittagsbetreuung ins Leben zu rufen.

 

Es sind nun drei Monate vergangen und ich erinnere mich noch genau an den ersten Tag hier in Dar, in meinem neuen Zuhause, einer Wohnung im Stadtteil Ubungo, die ich mir für die nächsten dreizehn Monate mit meinem Mit-freiwilligen Cornelius teilen würde.

Mittlerweile ist von der anfänglichen Unsicherheit im Alltag kaum mehr etwas übrig, ich merke wie ich im souveräner mit meinen Mitmenschen umgehen kann und an alltägliches, wie den Verkehr, der mich in den ersten Wochen sehr gestresst hat, habe ich mich auch schnell gewöhnt.

 

Was mir am Anfang noch schwer viel, war die Menschen einschätzen zu können. Trotzdem ich schon einmal in Tansania gewesen war, bevor ich meinen Freiwilligendienst antrat, stellte ich vor allem in der Arbeit fest, dass ich aufpassen musste nicht alle Handlungen der anderen nach meinem eigenen Denkmuster zu definieren und zu bewerten. Nach wie vor, stelle ich immer wieder fest, dass ich mich nicht nur auf meine Menschenkenntnis verlassen kann sondern mir in den Kopf rufen muss, dass mein Gegenüber vielleicht einen komplett anderen Denkansatz haben kann ohne dass ich es merke, weil ich noch nicht wirklich darüber sprechen kann.

Diese Tatsache, nicht gut genug die Sprache der Menschen um mich herum sprechen zu können, bereitet mir bis heute noch die größten Sorgen. Vor allem mit meiner Chefin stellte sich das als echte Herausforderung heraus, denn sie spricht ausschließlich Swahili und dann noch dazu ziemlich schnell. Im Arbeitsalltag haben wir deshalb nicht immer gut kooperieren können, was vor allem für den Unterricht in unserer gemeinsamen Klasse aber auch ganz allgemein ganz gut gewesen wäre. Momentan bin ich aber guter Dinge, dass ich das mit der Sprache noch hinbekommen werde.

 

Das Zusammenleben mit einem anderen Freiwilligen hat gute und schlechte Seiten, wobei ich eher von den guten berichten kann. Zu Anfang unserer Zeit hier lebten wir noch mit unseren beiden Vorgängerinnen zusammen, was einerseits hilfreich war aber auch dazu beitrug, dass ich mich abhängig gefühlte und erst mal wieder an Selbstvertrauen gewinnen musste, als sie abgereist waren. Außerdem war es für uns als Nachfolger schwierig uns heimisch zu fühlen, solang wir noch auf dem Sofa schliefen und aus dem Rucksack lebten. Auch die Vorgänger, waren verunsichert wo sie hingehörten, als mein Mit-Freiwilliger und ich nach einigen Wochen anfingen die Wohnung nach unserem Belieben einzurichten und sie so nach und nach übernahmen.

Seit dem wir nun zu zweit wohnen, hat sich alles ein bisschen entspannt. Ich habe vor allem in den ersten beiden Monaten aber auch jetzt noch oft gespürt, dass es mir sehr geholfen hat, dass ich wusste es gibt jemanden neben mir der ähnliches „durchmacht“. Trotzdem wir nicht immer viel geredet haben glaube ich, dass wir beide in wichtigen Fragen oder Situationen die uns bedrücken, voneinander wissen, dass wir miteinander reden können.

 

Außerhalb meiner Arbeit bin ich, vor allem in den letzten drei Wochen, angekommen. Meine Leidenschaft, das Tanzen ist hier überall gegenwärtig und durch Freunde habe ich zwei Tanzgruppen gefunden, mit denen ich fast jeden Tag trainieren kann und die letzte Woche sogar Shows getanzt habe. Es tut unglaublich gut außerhalb der Arbeit eine regelmäßige Beschäftigung zu haben und Leute zu treffen die ähnliche Interessen haben.

Dadurch, dass die Auftritte in sehr verschiedenen Stadtteilen statt finden lerne ich als guten Nebeneffekt auch noch neue Plätze kennen und orientiere mich immer besser.

Ganz allgemein lässt sich über meine bisherige Zeit hier sagen, dass ich bemerke, wie sehr sie mich wachsen und groß werden lässt. Gerade noch in der Schule gesessen und für das Abitur gepaukt und nun fast wie in einem neuen Leben, welches aus einer komplett neuen Umgebung, andersartigen aber irgendwo auch gleichen Menschen, einem festen Arbeitsalltag und aber auch Freizeit besteht, in der ich mir unglaubliches leisten kann, wie an traumhaften Stränden sitzen, Gewürzplantagen besuchen, Tropfsteinhöhlen begehen, mit der Fähre den Ozean überqueren und mich ein bisschen zu fühlen als wären wir in einer Seifenblase, die jeden Moment zerplatzen könnte.

 

Ein Leben was auf der einen Seite einen Einblick ins Berufsleben gibt und nebenbei noch viele andere kleine Aufgaben stellt, die ich in Deutschland nicht zu bewältigen hätte und aber auf der anderen Seite ein Leben, welches mir durch seine Möglichkeiten die im Kontrast zu seinen Schwierigkeiten manches mal unwirklich scheinen, eine Position verleiht die ich in meinem Leben vorher nie hatte und bei der ich mir auch nicht sicher bin ob ich sie behalten wollen würde.

Was ich damit meine ist die Disproportionalität meiner Stellung hier im Vergleich zu der einer erwachsenen Person mit Familie und Beruf, vor allem spreche ich hier von Geld und was es einem in der Gesellschaft hier für eine Stellung zuweist.

In einem Gespräch mit einer solchen erwachsenen Person wurde mir vor kurzem ganz bewusst, dass ich trotzdem ich keinen Beruf habe und erst am Anfang eines Berufslebens stehe, welches momentan noch nicht mal genug ausgereift scheint um es genau zu benennen, durch die Gelder von weltwärts und meinem Spendenanteil, pro Monat sehr viel mehr zu Verfügung habe als ein normal arbeitender Lehrer hier.

Als mir das so deutlich in meiner Umgebung begegnete, schien es mir auf einmal nicht mehr ganz unverständlich, dass ich als junge Frau oft nach Geld gefragt werde, beziehungsweise davon ausgegangen wird, dass ich die Kosten für gemeinsame Unternehmungen übernehme. Denn für einen Tansanier der merkt, dass ich mir bestimmte Dinge leisten kann, die er sich nicht leisten kann, ist die logische Schlussfolgerung daraus, dass ich dann auch diejenige bin, die den Großteil übernimmt.

In den letzten drei Monaten hier habe mit verschiedenen Menschen Erfahrungen in dieser Art gehabt und ich will für alle, die sich in Zukunft mit dem Thema Geld herumschlagen müssen und was es hier heißt mehr davon zu haben, als manche Leute, die in Deutschland sicherlich gesellschaftlich über dir stehen würden, sagen, dass man für sich selber eine Lösung finden muss mit dieser Tatsache umzugehen aber man auch merkt wer sich bemüht an anderer Stelle mit kleinen Aufmerksamkeiten oder enormer Zuverlässigkeit in einer wichtigen Situation etwas zurück zu geben und wer sich einfach ganz gerne einladen lässt.

 

Dass ich soviel von Geldangelegenheiten berichte hat damit zu tun, dass ich diesen Punkt selbst unterschätzt habe. Ich habe mich wie gesagt vorher nie damit auseinandersetzen müssen mehr davon zur Verfügung zu haben, als eine Person die beruflich oder auf das Alter bezogen über mir steht und es ist ein leidiges Thema für mich, weil ich das Gefühl habe, immer wieder auf Proben gestellt zu werden, die mich in einen Zwiespalt treiben, zwischen „Bin ich zu egoistisch?“ und „Ist das Gegenüber aufrichtig?“. Jedoch wachse ich auch daran.

 

Das Wetter ist zu Anfangs noch gut erträglich gewesen und bis jetzt spüre ich auch keine Gelähmtheit oder völlige Antriebslosigkeit, aber man merkt schon dass es heißer wird und der Regen immer wieder kommt. Allerdings ist die Regenzeit glaube ich nicht so wie ich sie mir vorgestellt habe, wenn es regnet dann eher morgens oder spät abends und man ist davon kaum beeinträchtigt. Die ersten male habe ich mich über den Regen gefreut, weil ich sofort ein Heimatgefühl verspürt habe, mittlerweile ist die Vorstellung, dass in Deutschland gerade Winter ist und meine Familie und Freunde bald im Schnee sitzen werden, fast unrealistisch.

 

Familie und Freunde sind ein wichtiger Teil den ich in meinem ersten weltwärts Bericht nicht aussparen will. Ich hatte vor allem in den ersten zwei Monaten noch sehr damit zu kämpfen, dass sie so weit weg sind. Fast jeden morgen ergriff mich ein Gefühl des Unwohlseins und ich hatte die erste Zeit viel Heimweh nach Vertrauten Menschen um mich herum. Für mich ist diese Zeit hier in Tansania, die erste so lange Zeit weit weg von all meinen geliebten Menschen. Ich freute mich von vornherein sehr auf Dar Es Salaam und die Menschen aber mir war auch bewusst, dass es schwer sein würde, ohne einen Gesprächspartner, der mich wirklich kennt und mal in den Arm nehmen kann, wenn ich an mir zweifle oder mich schwach fühle. Es hat sich aber herausgestellt, dass diese Erfahrung eine der für mich wichtigsten ist, die ich bisher gemacht habe denn sie scheint mir für mein weiteres Leben sehr existenziell zu sein. Jetzt, nach etwas über drei Monaten gehe ich mit Phasen in denen ich mich alleine fühle schon besser um, ich höre Musik, gehe raus und manchmal lasse ich es aber auch einfach zu, ziehe mich zurück und skype vielleicht mal mit einem meiner Freunde oder Verwandten.

 

Bald kommt nun auch der erste Besuch und ich bin wahnsinnig gespannt wie es sein wird einen sehr vertrauten Menschen in meiner mittlerweile auch schon vertrauten Umgebung zu begrüßen und wie es funktionieren wird und ob ich mich anders fühlen werde als sonst oder ob ich mich so verhalten kann wie immer.

Ich habe das Gefühl die Zeit vergeht rasend schnell und ich möchte noch soviel machen, sehen, lernen und erkennen, ich hoffe meine Erfahrungen bleiben weiter möglichst positiv und ich finde auch in der Arbeit einen festen Standpunkt.

Ich bin unheimlich froh diese Möglichkeit beim Schopf gegriffen zu haben und bin gespannt auf das, was mich weiterhin erwartet.

 

 

 

Meine erste Reise ging nachTanga! – Ein kleiner Reisebericht

Kipepeo Beach- Dar Es SalaamHallo ihr lieben Leute,

letzte Woche hatte der Kindergarten Ferien und wir bekamen Besuch von Laura, einer ehemaligen Freiwilligen von Kawaida und Sophia, einer guten Freundin von ihr.

Meine ersten freien Tage, verbrachte ich vor allem mit den beiden und ein paar Tansaniern, noch in Dar Es Salaam. Dabei kam uns die Idee, dass wir für ein paar Tage zusammen verreisen könnten.

Gedacht, mögliche Reiseziele gecheckt, Busticket gekauft, getan :)!

Mittwoch früh ging es also in Richtung Norden, Ziel war die kleine Hafenstadt Tanga.

Am Tag vor der Abreise fiel ich nochmal in ein kleines Tief. Das sollte sich aber schnell ändern, denn wie es sich herausstellte, war Tanga genau das richtige erste Reiseziel und Laura und Sophia genau die richtigen Mädels um neue Freundschaften zu schließen und eine großartige Mädels-Reise zu haben.

Tanga ist im Gegensatz zu Dar Es Salaam unglaublich ruhig, wenig stressig, sauber(!) und klein.

Durch Empfehlungen von ehemaligen Tanga-Reisenden aus dem Kawaida Klan, fanden wir schnell eine sehr passable Unterkunft und hatten das große Glück eines der Zimmer im dritten Stock zu bekommen, welches einen riesigen Balkon mit Blick aufs Meer hatte.

Am ersten Tag liehen wir uns, nachdem wir uns auf dem Markt gegenüber ein selfmade-Frühstück zusammengestellt hatten und es auf unserem schönen Balkon gegessen hatten, drei Fahrräder aus und fuhren zu den hoch gepriesenen Amboni Caves (Tropfsteinhöhlen), welche 8km von der Stadt entfernt liegen sollten.

Die Sonne im Rücken und den Fahrtwind im Gesicht machten wir uns beschwingt auf den Weg und fuhren nach einigen Kilometern über holprige Straßen und durch ein kurzes Waldstück, direkt  bis vor die Höhlen (sollte jemand mal nach Tanga fahren wollen, sich ein Fahrrad auszuleihen lohnt sich). Die Amboni Caves waren ganz beeindruckend aber das beste war die Führung! Der junge Mann der uns durch die Dunkelheit führte, berichtete uns von Symbolen die in den Caves zu sehen waren und wir fanden während der etwa 1-2 stündigen Führung; einen Löwenkopf, Engelsflügel, Fußspuren, Elefanten, den afrikanischen Kontinent, einen Flughafen(!), den Engel Gabriel, Mutter Maria, den Schriftzug Allah und in den extra gelegenen „Gender-Caves” beide Geschlechtsteile von Mann und Frau.

Wir hatten viel Spaß und waren beeindruckt von der Rolle, die Symbole und ihre Deutung in den Höhlen spielte. Da ich mir vor lauter Übereifer den Kopf ordentlich an einer Höhlenwand gestoßen hatte, war die Rückfahrt in der prallen Sonne mit Gegenwand etwas weniger gemütlich, ganz zu schweigen von dem kleinen Fahrradsturz den ich oben drauf noch hatte ;), den Tag konnte trotzdem nichts mehr schlecht machen.

Tag zwei verbrachten wir auf einer nahe gelegenen, verlassenen, stark zugewachsenen Insel namens „Toten Island”. Der Name ist Deutsch und stammt wohl aus der Kolonialzeit, da die Insel früher als Hinrichtungs- und Verbannungsort für Kranke genutzt wurde.

Wir machten eine Art Führung, wobei ich sagen muss, dass Toten Island eher weniger ein Anlaufpunkt für Touristen ist sondern eher eine Insel auf der die Natur jeden Rest ehemaligen menschlichen Lebens beseitigt. Die Suche nach den paar Ruinen, die die Insel noch hat war ein abenteuerlicher Gang durch Urwald artiges Gestrüpp und Unterholz, aber wunderschön unberührt.

Die Insel besitzt einen weiten Strand an dem wir den Rest des Tages, mit unserem noch sehr jungen Reiseführer und dem noch jüngeren Motorboot Captain, Karten spielend und Musik hörend saßen.

Auch mit Schnorcheln haben wir’s versucht aber das Wasser war nicht das klarste.

Trotzdem war auch Tag zwei ein großartiger Urlaubstag!

Tag drei gingen wir sehr entspannt an. Morgens wurden wir allerdings eher unsanft und brutal von den Rufen der aufgeregten Hühner, die in der Restaurantküche unseres Hotels verarbeitet werden sollten, geweckt. Da wir das Prozedere schon die Tage zuvor mitbekommen hatten, aßen wir an diesem Abend tatsächlich und ziemlich herzlos trotzdem Huhn.

Es ist erstaunlich, noch als ich 2011 hier in Tansania war und solch eine Hühnerschlachterei mitbekam, konnte ich für den restlichen Urlaub kein Huhn mehr essen. Jetzt bin ich schon nach 1 ein halb Monaten abgehärtet genug um es als einen Teil des ganzen Ernährungskreislaufs hier zu sehen.

Ich denke es liegt daran, dass ich mich hier einfach damit beschäftigen muss, woher das Fleisch kommt was ich esse und es nicht eingefroren aus dem Supermarkt bekommen kann. Ich esse hier auch deshalb sehr viel weniger Fleisch als in Deutschland.

Nachdem wir also von den Hühnern geweckt wurden, ging ich alleine auf den Markt und freute mich über die Gastfreundschaft der Leute und meine Fortschritte im Swahili. Allgemein sind mir die Menschen in Tanga extrem positiv aufgefallen. Nachdem wir gefrühstückt hatten liehen wir uns erneut Fahrräder aus um die Stadt noch etwas ab zufahren und unsere Bustickets für die Rückreise zu besorgen. Den Tag über und auch die anderen Tage in Tanga, war ich so ziemlich rundum glücklich und ich will mich dafür ganz arg bei Laura und Sophia bedanken.

Mädels, eine großartige erste Reise war das mit euch!

Wieder zurück in Dar war ich nicht, wie befürchtet, wieder deprimiert sondern freute mich auch wieder „Zuhause” zu sein und Cornelius und die anderen wieder zu sehen.

Gerade haben wir Nudeln mit Pesto und Parmesan (Mitbringsel aus Deutschland) gekocht und jetzt gehe ich beschwingt ins Bett.

Im KCC ist gerade ein bisschen  Action aber davon das nächste mal mehr.

Usiku mwema und bis bald!

Eure Leonie